"Das heilige sind doch die Frikadellen"

Gerade hat er wieder drei frische Radler auf dem Tablett und bringt sie auf die Terrasse, da kommt auch schon die nächste Bestellung rein. Das Clubhaus beim TC Blau-Gelb ist an diesem frühsommerlichen Dienstagabend gut besucht und der Zapfhahn steht nicht still. Clubwirt Vasile „Wasi“ Acsente ist in seinem Element. Man sieht ihm an, dass ihm der Job Freude macht. „Vor 20 Jahren habe ich bei Blau-Weiß Kamp-Lintfort zum ersten Mal ein Clubhaus übernommen“, erinnert sich der gebürtige Rumäne. Seine Frau Adele und er haben damals etwas gesucht, wo sie ihren Sohn mit zur Arbeit nehmen können. Und was bietet sich da besser an, als ein Tennisclub. Als die Acsente’s im Jahr 1992 zum OTHC nach Oberhausen wechselten, griff auch der Sprössling im Alter von fünf Jahren zum Racket. „In Oberhausen, war es eine ganz andere Welt“, berichtet der Clubwirt aus der Vergangenheit. Die Truppe die damals noch am Kaisergarten beheimatet war stand zunächst für Regionalliga, später sogar für Bundesligatennis. „Wir waren damals für den VIP-Bereich zuständig und hatten an Spieltagen zwischen 2000 und 3000 Gäste zu bewirten“, erzählt er von ganz anderen Dimensionen. Es bleibt aber als tolle Erfahrung hängen: „Bundesliga ist einmalig!“

 

Nachdem es ihn dann zum Wittringer TC verschlagen hatte, zog das Ehepaar im Jahr 2008 zunächst einen Schlussstrich und übernahm eine Bäckerei. „Das war aber nicht das Wahre und als die ehemalige Clubwirtin Bärbel Rechmann, die ihre Brötchenkörbe immer bei mir bestellte, ansprach ob ich nicht das Clubhaus bei Blau-Gelb übernehmen möchte, war ich von der Idee direkt begeistert“, so der neue Mann hinter der Theke. Nach einigen Gesprächen mit Michael Amft übernahm er im Februar die Bewirtung am Schlangenholt.

 

Jetzt ist er voller Vorfreude auf die anstehende Medenspielsaison. Dann wird er wieder Spaghetti Bolognese, Tortellini, Salat und vieles mehr servieren. „Das alles steht auf unserer Speisekarte und natürlich wird es dann auch noch eine Tageskarte geben“, verspricht er gutes Essen. Auch die Pfannekuchen und Schnitzel die auf der Karte stehen versprechen einiges. Wasi, wie ihn alle nennen, legt aber großen Wert darauf, dass nicht er der Schöpfer all dieser Gerichte ist. „Ich bin für die Organisation und Bewirtung da, meine Frau zaubert in der Küche“, stellt er klar. Natürlich könne er Kleinigkeiten zubereiten, aber seine Frau sei die wahre Chefin in der Küche. Und die ist bei Blau-Gelb groß genug. „Das Clubhaus ist rustikal wie eine Skibaracke, ich liebe die große Theke und die Küche ist perfekt eingerichtet“, schwärmt er von seinen neuen Arbeitsbedingungen. Vor dem ersten Spieltag ist er dennoch ein kleines bisschen nervös: „Wir haben Sonntags sechs Heimspiele, dass wird eine Herausforderung, aber das packen wir schon“, freut er sich auf den ersten richtig vollen Sonntag.

Wer aber an diesem Dienstag das Clubhaus betritt, dem läuft auch schon vor dem ersten Medenspieltag das Wasser im Munde zusammen, wenn er einen Blick auf die Frikadellen wirft, die auf der Theke stehen. „Das heilige sind doch die Frikadellen“, weiß Wasi. Zu einem kühlen Blonden gibt es schließlich nichts, was nach dem Sport besser schmeckt. Und diese Frikadellen, davon hat sich der Auf’m Platz Reporter auch ohne Sport überzeugt, sind einmalig. Gut gewürzt, knusprig gebraten und warm serviert. Herrlich! Küchenchefin Adele hat das Rezept prompt verraten.

 

Wer keine Lust auf Frikadellen hat, kein Problem. „Ich habe einen Gasgrill und wenn jemand ein Würstchen will, kein Thema, die ist ruck-zuck fertig“, verrät der neue Clubwirt. Wer kann beim Geruch von Grillwurst auch schon nein sagen?

 

Wie Wasi seine neuen Gäste beeindruckt wird auch schnell klar. Seine offene Art sorgt für die richtige Atmosphäre im Clubhaus und ein Schnäpschen mit der Herrenrunde geht auch. „Wenn die Leute mich mögen, dann kommen sie auch gerne hier hin“, ist er sich sicher. Das macht ihn auch zufrieden. „Ich bin glücklich wenn meine Gäste mit einem fröhlichen Gesicht auf der Terrasse sitzen und zufrieden sind“, gibt er sich bescheiden. Und wenn es mal einen etwas schwierigen Charakter gibt? Gar kein Problem, Wasi sieht darin eine Herausforderung. „Der Tennisverein ist eine große Familie, man muss mit dem harten Kern klar kommen, sonst wird es schwierig, aber wenn jemand vom Typ etwas schwierig ist, dann bin ich besonders nett und ziehe auch ihn auf meine Seite“, verrät er sein Geheimnis die Leute für sich zu gewinnen.

 

Es ist also wieder richtig Leben in der Bude wenn der gebürtige Rumäne durch das große Clubhaus, das sich für Partys optimal eignet, wirbelt. Und wenn es nach einem Medenspiel mal etwas Ausgefallenes zu Essen sein darf, ist auch das kein Problem, denn Wasi hatte auch in Wittringen schon seine Sonderfälle: „Der Fischhändler Piotrowski hat bei den Herren 40 gespielt und da kam nach jedem Heimspiel Brathering mit Bratkartoffeln auf den Tisch.“ Es wird also eine bunte Küche werden, wenn die Blau-Gelben ihre Heimspiele haben.

 

Text: Max Lazar