Ein echter Evergreen

Tennis in Bottrop, insbesondere Damentennis, steht seit vielen Jahren in enger Verbindung mit einem Namen: Renate Czekalla.

 

Auf'm Platz hat die 65-jährige Grande Dame des Bottroper Tenniszirkus zu einem Ballwechsel der etwas anderen Art herausgefordert. Unzählbare Stadtmeistertitel und sogar eine Halbfinalteilnahme bei den deutschen Seniorenmeisterschaften stehen zu Buche. Heute sitzen wir bei Cola und Alster im Clubhaus des TC Vonderort und plaudern über den weißen Sport.

Auf'm Platz: Frau Czekalla, wir wollen über Tennis reden. Tennis, wie es früher war, und wie es heute ist. Sie sind selbst seit 1976 aktiv. Wie begann ihre eindrucksvolle Karriere?

 

Renate Czekalla: Das ganze gebührt einem Zufall. Wir wurden von Freunden gefragt, ob wir nicht mal mitkommen wollen um auf den Plätzen im Revierpark ein bisschen Tennis zu spielen. Da ich durch die Leichtathletik und den Handball sehr sportlich war, haben mein Mann und ich natürlich gerne mitgemacht. Zu dem Zeitpunkt haben wir noch keinen Gedanken daran verschwendet in einen Verein einzutreten.

 

Auf'm Platz: Zwei Jahre Später tritt Renate Czekalla dann dem TC Vonderort bei. Wie kam es dazu?

 

Renate Czekalla: Der TC Vonderort hat sich gegründet und ein Freundschaftsspiel gegen den TC Heide ausgetragen. Wir wurden eingeladen zum Zuschauen zu kommen. Noch an diesem Sonntag sind mein Mann und ich dem Verein beigetreten. Dabei hatte ich damals noch gar keine Ahnung vom Tennis. Ich erinnere mich an ein Spiel gegen einen Bekannten, und als er mir beim Stand von 6:6 sagte, wir würden Tie-Break spielen, hab ich mir im Stillen gedacht: "Tie-Break? Wat ist dat denn?"

 

Auf'm Platz: Danach ging es steil bergauf. Anfänglich noch in der Bezirksklasse D aktiv, spielt Renate Czekalla die letzten 20 Jahre mindestens in der Verbandsliga und fuhr nicht zählbare Stadtmeistertitel ein. Und das ohne jemals bei einem Trainer auch nur eine Stunde Training gebucht zu haben.

 

Renate Czekalla: Tennis hat seit dem einen sehr hohen Stellenwert eingenommen. Noch heute stehe ich im Sommer viermal die Woche auf dem Court. Und das meistens mit Männern. Als wir damals angefangen haben, gab es noch keine Altersklassen, und so haben wir in der offenen Klasse aufgeschlagen. Ein Aufstieg folgte auf den anderen, und als wir dann in die Damen 40 gegangen sind, standen wir plötzlich in der zweiten Verbandsliga. Das ist jetzt fast 20 Jahre her, und wir sind nie mehr in die Bezirksliga abgestiegen. Heute spielen wir Niederrheinliga. Besonders schön ist es, dass mit mir noch vier Mitspielerinnen seit den Anfangstagen mit dabei sind.

 

Auf'm Platz: Kommen wir vom sporlichen zu den vielen weiteren Aktivitäten die Sie in den letzten Jahren wahrgenommen haben. Sie waren Sportwartin beim TC Vonderort und sitzen in der Turnierleitung bei den deutschen Meisterschaften der Jugend und im Seniorenbereich. Was bedeuten diese Aktivitäten für Sie?

 

Renate Czekalla: Die deutschen Meisterschaften sind etwas ganz besonderes. Seit 17 Jahren leite ich das Turnier und ich muss sagen, das ist schon eine einmalige Atmosphäre. Natürlich lernt man die Spieler über die Jahre kennen und ich kann voller Stolz behaupten, 300 der knapp 400 Teilnehmer mit Namen zu kennen. Der Sportlerball ist natürlich ein absolutes Highlight. Bei den Jugendlichen ist es dann nochmal was anderes. Zu sehen, wie sich die Jungs und Mädels über die Jahre entwickeln, ist schon beeindruckend. Nicolas Kiefer oder Julia Görges zum Beispiel, da macht es mir heute noch Spaß die beiden im Fernsehen zu sehen, und zu schauen, was aus denen geworden ist. Oder ein Daniel Elsner, der in der Bundesliga gespielt hat. Wenn er auswärts in ETUF oder im Rochusclub aufgeschlagen hat, bin ich dahin gefahren, und wenn er mich dann gesehen hat, kam er und wir haben immer ein bisschen geplaudert. Das ist einfach schön, und schon etwas einmaliges. Allgemein muss man aber leider feststellen, dass zu wenig Jugendliche nachkommen.

 

Auf'm Platz: Sie selbst sind jetzt in einem Alter, wo Tennis nicht mehr die erste Geige spielen muss. Wie hat sich ihr Verhältnis zum Tennissport verändert?

 

Renate Czekalla: Natürlich ist es so, dass man das ganze nicht mehr so verbissen sieht. Ich habe über 150 Medenspiele gemacht, und davon etwa 70 Prozent gewonnen. Das macht mich schon stolz, aber heute steht der Tennissport nicht mehr so im Mittelpunkt. Durch die Krankheit von meinem Mann vor ein paar Jahren ist uns nochmal bewusst geworden, dass es andere Dinge gibt als Tennisspielen. Natürlich gehe ich auf den Platz, um zu gewinnen, keine Frage, aber ich sehe das alles nicht mehr so eng. Wenn der Gegner besser ist, dann ist es halt so und dann hat er es auch verdient zu gewinnen. Und so kommt es auch, dass wir im Urlaub darauf verzichten Tennissachen mitzunehmen. Wir gehen drei bis vier mal die Woche tanzen, um Kondition und Gehirn zu trainieren und so planen wir dann auch unseren Urlaub. Wir fahren irgendwo hin, wo eine Band spielt und wir einfach nur genießen können.

 

Auf'm Platz: Wenn man Sie nach ihren "Macken" fragt. Welche Rituale pflegen Sie?

 

Renate Czekalla: Rituale ist da mit Sicherheit das falsche Wort. Aber es ist so, dass man über die Jahre natürlich immer wieder gegen die selben Gegner spielt und sich auch kennenlernt. Wenn wir aber auf den Platz gehen, sind wir Gegnerinnen, davor und danach können wir uns unterhalten, aber auf dem Platz brauche ich meine Ruhe. Und so pflege ich das Ritual, dass ich immer meine eigene Bank haben möchte. Falls das nicht geht, stelle ich meine Tasche lieber auf die Asche, als mir die Bank mit meiner Gegnerin zu teilen. Außerdem kann ich es nicht haben, jemanden aus meiner eigenen Mannschaft auf meiner Bank zu haben. Mir kann eh keiner was beibringen (lacht).

 

Auf'm Platz: Was beibringen ist das richtige Stichwort. Sie fungieren bei Trainerprüfungen gerne als Probant.

 

Renate Czekalla:  Das ist richtig. Durch mein Engagement bei den deutschen Meisterschaften wurde ich angesprochen ob ich nicht bei den Prüfungen für den DTB Trainerschein als Versuchskaninchen herhalten möchte. Und ganz ehrlich - es macht riesigen Spaß. Innerhalb von zwei Tagen habe ich dann bei bis zu 24 verschiedenen Trainern jeweils 15 Minuten Training und darf mir aussuchen, was die mir beibringen sollen. Klar, in der Zeit kann keiner meine Fehler, die ich mir über die Jahre angeeignet habe, ausmerzen, aber es ist interessant die verschiedenen Trainertypen kennenzulernen.

 

Auf'm Platz: Wollen wir noch über Tennis in Bottrop sprechen. Sie haben die Kontakte über die Stadt hinaus. Wo kann man den Tennis in Bottrop ansiedeln?

 

Renate Czekalla: Ich muss ganz klar sagen, dass es schön ist mit anzusehen, dass wir in Bottrop einige Mannschaften haben, die auf Verbandsebene und noch höher spielen. Weil eigentlich sind die Bottroper Vereine als kleine Vereine zu bezeichnen. Wir haben hier kein ETUF und keinen Rochusclub. Aber wir müssen auch dahin kommen, dass die ranghohen Mannschaften noch mehr in den Mittelpunkt gestellt werden, da wird nämlich sehr ansehnliches Tennis gespielt und es lohnt sich dort zuzuschauen.  Außerdem muss die Jugend noch mehr gefördert werden. Die Vereine müssen den Jugendlichen zeigen, dass sie wichtig sind. Das ist unsere Zukunft. Wenn die Jungs und Mädels sehen, dass Erwachsenen zuschauen und applaudieren ist das riesig für die. Wichtig sind dabei die Trainer. Ich habe Tobias Sprenger als Trainer gewinnen können. Und was gibt es schöneres für einen Jugendlichen wenn er bei den Stadtmeisterschafte sieht, dass sein Trainer im Finale steht. Sowas brauchen wir in Bottrop.

 

Auf'm Platz: Frau Czekalla, wir danken Ihnen für das Interview und wünschen eine erfolgreiche Medenspielsaison.

 

Das Interview führte Max Lazar im Mai 2010.