Die gute Seele des Bottroper Tennis

Wenn in Bottrop über Tennis gesprochen wird, fällt früher oder später der Name Heinz Lehrmann. Seit 1967 ist der heute 76-Jährige im Bottroper Tennis aktiv. Damals trat er dem TC Blau-Gelb Eigen bei. Heinz Lehrmann hat Auf’m Platz Redakteur Max Lazar ins sein privates Archiv eingeladen, um über sein Leben für den weißen Sport zu erzählen.

Heinz Lehrmann mit Ehefrau
Heinz Lehrmann mit Ehefrau

Auf’m Platz: Tennis und Heinz Lehrmann sind in Bottrop eng miteinander verbunden. Wie hat das alles angefangen?

 

Heinz Lehrmann: Mit 35, also 1970 habe ich zum ersten Mal gegen den Ball geschlagen. Ich habe im Büro gearbeitet, viel gesessen und geschrieben. Dann kamen Probleme mit der Hüfte hinzu. Als ich dann hörte, dass sich neben dem TV Blau-Weiß, wo es keine Möglichkeit gab einfach Mitglied zu werden, neue Vereine gründeten, entschied ich mich dem TC Blau-Gelb beizutreten.

 

Auf’m Platz: Wie waren die Anfänge beim TC Blau-Gelb?

Heinz Lehrmann: Das war unglaublich. Der Andrang war groß und wir hatten nur einen Platz auf der Fußballanlage des SV 1911. Alle halbe Stunde wurde da gewechselt. Mein erster Trainer war dann Heinz Klee. Wir haben am Wildenhoff in der Sporthalle gespielt und ich muss sagen ich war ganz schön grün hinter den Ohren. Ich dachte ich dürfte den Ball zwei Mal tupfen lassen.

 

Auf’m Platz: Und ihr sportliches Talent?

Heinz Lehrmann: Das hielt sich in Grenzen. Ich war nie ein überdurchschnittlich guter Spieler, aber ich habe sehr gerne gespielt. Wir haben im Jahr 1971 dann vier neue Plätze gebaut und ich wurde Sportwart für die Herren. Spätestens ab da waren wir von Samstagnachmittag bis Sonntagabend am Club. Meine Tochter ist als tennisgeschädigt zurück geblieben. Dadurch dass sie früher so viel Zeit auf dem Platz verbracht hat, hat sie heute gar keine Lust mehr auf Tennis. Das ist bei mir glücklicherweise anders.

 

Auf’m Platz: Und natürlich waren Sie auch auswärts immer mit dabei…

 

Heinz Lehrmann: Richtig. Ich bin mit der ersten Mannschaft zu jedem Spiel mitgefahren und habe sie unterstützt. Das waren damals aber natürlich auch noch ganz andere Zeiten als heute. Nach zwei Jahren bin ich dann Gesamtsportwart geworden und 1980 war ich stellvertretender Vorsitzender. So schnell kann das gehen.

 

Auf’m Platz: Das ist jetzt 30 Jahre her. Was ist aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben?

 

Heinz Lehrmann: Das waren verrückte Zeiten. Ich habe damals mit Holzschlägern angefangen. Dann gab es plötzlich neue Rahmen und gerade mit der Becker-Zeit brach ein riesen Boom im Tennissport aus. Wir hatten steigende Mitgliederzahlen, dem gegenüber standen aber horrende Aufnahmegebühren. 500 Euro beim TC Blau-Gelb, gar 1000 Euro beim TC Waldhof, nur um mal zwei Beispiele zu nennen. Die Tennisspieler wollten unter sich bleiben. Und dann war da noch das Projekt „Glabotki“. Bottrop hat früher im Verband Westfalen gespielt, genau wie Gladbeck. Als dann das Projekt scheiterte, haben wir uns dem Bezirk Essen angeschlossen und auch im TVN gemeldet. Es gab einige hitzige Diskussionen mit Herrn Nölle und ich bin da oft auf Konfrontation gegangen, um unseren Standpunkt zu vertreten und Bottrop nicht kleinreden zu lassen. Jetzt kommen wir aber gut miteinander aus.

"Wir bräuchten einen neuen Becker-Boom"

Heinz Lehrmann beim nach ihm benannten Turnier im Herbst 2010
Heinz Lehrmann beim nach ihm benannten Turnier im Herbst 2010

Auf’m Platz: Heute haben wir 15 Tennisanlangen in Bottrop und Aufnahmegebühren gehören längst der Geschichte an.

 

Heinz Lehrmann: Wenn man es nüchtern betrachtet, haben wir mindestens fünf Anlagen zu viel in Bottrop. Aber die Politiker haben damals ihren Stadtteilen immer wieder neue Tennisanlagen versprochen. Daran haben wir heute zu knabbern. Die Vereine können sich kaum über Wasser halten.

 

Auf’m Platz: Neben den Politikern haben Sie schnell Verantwortung übernommen.

 

Heinz Lehrmann: Als der damalige Fachschaftsleiter Hans Stadtmann abgewählt werden sollte, herrschten Kriegszustände. Mit den Vorgeschlagenen war niemand einverstanden und da brachten die Blau-Gelben mich ins Spiel. Und plötzlich war der Lehrmann gewählt. Hans Stadtmann selbst war damals gar nicht anwesend. Ich habe die Wahl aber trotzdem angenommen. Eigentlich wollte ich auch nur zwei Jahre im Amt bleiben, aber alle waren mit mir zufrieden und so wurden dann 30 Jahre daraus. Ich sehe es aber auch so, wer sich nicht einbringt, kann auch nichts bewegen.

 

Auf’m Platz: In ihre Amtszeit fällt die Umstrukturierung der Stadtmeisterschaften. Was hat sich verändert?

 

Heinz Lehrmann: Eine ganze Menge. Früher, wurden die Stadtmeisterschaften auf sämtlichen Anlagen ausgespielt und am Ende gab es mit dem Finalwochenende beim TV Blau-Weiß das große Highlight. Aber diesen Turniercharakter, dass alle auf einer Anlage spielen, man Bekannte trifft und gucken gehen kann, das gab es damals nicht. Oft wusste man gar nicht, welches Spiel wo stattfindet. Das ist heute viel besser organisiert.

 

Auf’m Platz: Ohne Computer und ähnliche technische Hilfsmittel war es doch mit Sicherheit eine ganz andere Herausforderung als heute, oder?

 

Heinz Lehrmann: Das ging ganz anders von Statten. Wir haben uns damals immer in der Gaststätte Birkenfeld, dem Vereinslokal vom TC Grün-Weiß Bottrop 1947 getroffen und dann wurden die guten Spieler gesetzt. Anschließend haben wir eine Liste mit den übrigen erstellt und mit dem Finger dann auf den Namen getippt, natürlich mit verschlossenen Augen. So wurde damals ausgelost. Erst drei Tage späte haben die Auslosungen bei allen Vereinen gehangen. Das waren schon abenteuerliche Zeiten und heute geht das alles viel einfacher und besser. 

"Unsere Stadtmeisterschaften sind einmalig"

Auf’m Platz: Wir haben schon darüber gesprochen dass sich auch bei der Ausrichtung der Stadtmeisterschaften einiges geändert hat. Zum Guten?

 

Heinz Lehrmann: Auf jeden Fall. Und da gilt es der Sparkasse ein dickes Dankeschön auszusprechen für die Unterstützung. Wir haben mit 600 Teilnehmern ein Turnier, um das wir in den Nachbarstädten beneidet werden. Dadurch, dass es wie bereits gesagt mittlerweile auf einer Anlage stattfindet, treffen sich alle Tennisfreunde mindestens einmal im Jahr zu diesem tollen Turnier.

 

Auf’m Platz: Heinz Lehrmann, Sie sind jetzt 76 Jahre alt, haben alle Höhen und Tiefen im Tennis miterlebt und mit dem Heinz-Lehrmann Turnier wurde Ihnen ein Denkmal gesetzt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

 

Heinz Lehrmann: Wenn es so bleibt wie es jetzt ist, bin ich zufrieden. Wir haben viele gute Wege eingeschlagen. Gerade die Jugendcamps sind eine Bereicherung für den Tennissport in Bottrop. Wichtig ist, dass die Eltern auch mitkommen und in die Vereine eintreten. Wir müssen uns aber immer vor Augen halten, dass es ein wenig das System „Schweineberg“, also mit Wellenbewegungen ist. Wir müssen moderate Preise haben und dann können die Voraussetzungen, die optimal sind, gut genutzt werden. Dass es das Turnier gibt freut mich besonders. Die Idee ein gemeinsames Vorstandsturnier auszurichten ist toll.

 

Auf’m Platz: Wo sehen sie die größten Konkurrenten?

 

Heinz Lehrmann: Vor allem die Golfclubs tun uns weh. Viele ältere Mitglieder, die das Geld haben, spielen Golf und gerade die Beiträge fehlen natürlich. Ich habe mich selbst mal beim Golfen probiert und es ist gründlich danebengegangen.

 

Auf’m Platz: Was kann helfen? Fusionen?

 

Heinz Lehrmann: Auf jeden Fall. Der Trend geht dahin. Wir haben eine Stadt mit 120.000 Einwohnern und so viele Tennisplätze. Einige, wie zum Beispiel der TC In Himmel und der TC VfB Kirchhellen liegen direkt beieinander. Da gibt es nur die Komplikationen, dass der VfB zum Fußballverein gehört und das schöne Clubhaus von In Himmel weit weg liegt von den Plätzen der VfB’ler. Aber da muss es eine Lösung geben. Außerdem würde uns ein neuer Becker-Boom gut tun, aber das halte ich nicht für realistisch.

 

Auf’m Platz: Wollen wir zum Abschluss noch über Ihren TC Blau-Gelb Eigen reden. Da hat sich in den letzten Jahren viel verändert.

 

Heinz Lehrmann: Das stimmt und ich bedauere das sehr! Ich bin enttäuscht, dass so viele gute Spieler als sie gefordert wurden sich zu beteiligen, gesagt haben, dass sie das nicht wollen. In meinen Augen hat da die Identifikation mit dem Verein gefehlt. Aber jetzt glaube ich, sind die Blau-Gelben auf einem guten Weg. Sie bemühen sich und ich bin optimistisch das Michael Amft einiges bewegen kann.

 

Heinz Lehrmann wird dem Tennissport immer treu bleiben. Das merkt wird deutlich, wenn man das Funkeln in seinen Augen sieht und seine Leidenschaft erlebt, mit der er erzählt. Das was er für den Tennissport geleistet hat, war und ist einmalig und noch heute tut er als Ehrengast bei den Frühschoppen der Bottroper Tennisvereine seine Meinung kund. Wer in Bottrops Tennisgeschichte wühlt, wird immer wieder auf seinen Namen stoßen. Wir bedanken uns für das Interview und wünschen weiterhin alles Gute.

 

Das Interview führte Max Lazar im Frühjahr 2011.