Ein Leben für den Sport

Fred Bockholt ist einer der bekanntesten Bottroper Sportler. Mit Auf'm Platz Redakteur Max Lazar traf er sich zum Ballwechsel der besonderen Art auf der Anlage des TC Waldfriede. Ein Gespräch über das runde Leder und die gelbe Filzkugel.

"Der Fußball ist jetzt intensiver"

Fred Bockholt als Torwart des VfB Bottrop Foto: Archiv VfB Bottrop
Fred Bockholt als Torwart des VfB Bottrop Foto: Archiv VfB Bottrop

Strahlend blauer Himmel über der Anlage des TC Waldfriede. Ein Gespräch der besonderen Art steht an diesem Montag an. Mit dem ehemaligen Bundesligatorwart Fred Bockholt, der frisch aus dem Spanienurlaub zurück ist, habe ich mich verabredet, um ein paar Ballwechsel zu spielen. Dabei sprechen wir über seine aktive Fußballerkarriere, das Leben mit dem Fußball nach der aktiven Zeit und das Leben auf dem Tennisplatz. Fred Bockholt ist auch 27 Jahre nach seinem letzten Spiel für Bayer 04 Leverkusen dem Sport verbunden geblieben.

 

Vom heute 67 Jahre alten Bottroper trennen mich 47 Jahre – mehr als ein Fußballerleben. Für mich ist es eine ganz neue Erfahrung auf dem Tennisplatz. Bockholt spielt beim TC Waldfriede in der Niederrheinliga, ich weiß also was auf mich zukommt. Von Müdigkeit ist beim Spielerscout von Rot-Weiß Oberhausen nichts zu spüren. Er schickt mich von rechts nach links und immer wieder fällt der Spruch: „Ich muss den Jungen jagen.“ Es gelingt ihm! Schnell steht beiden der Schweiß auf der Stirn. Und ich muss eingestehen, es ist nicht angenehm gegen ihn zu spielen. Die gewohnten Top-Spinbälle hat er nicht in seinem Repertoire, dafür aber den gefürchteten Slice und harte, gerade Schläge, die mich immer wieder zwingen tief in die Knie zu gehen um den Ball zurückschlagen zu können. Nach der knapp 45-minütigen Trainingseinheit geben wir uns die Hand, schießen ein Foto und begeben uns auf die Terrasse zum Interview. Natürlich steht auch hier der Sport im Vordergrund.

 

Auf’m Platz: Fred Bockholt, Sie sind beim VfB Bottrop groß geworden, haben später für Rot-Weiß Essen, Kickers Offenbach und Bayer Leverkusen 220 Spiele in der ersten und 117 in zweiten Bundesliga gemacht. Ihre Schuhe haben sie 1983 an den Nagel gehangen. Wie hat sich der Fußball seitdem entwickelt?

 

Fred Bockholt: In erster Linie ist der Fußball schneller, intensiver und zweikampfstärker geworden. Er hat viel an Technik gewonnen und lässt den Mannschaften auf dem Feld viel weniger Freiräume, als es noch zu Zeiten von Günther Netzer oder Wolfgang Overath der Fall war. Man kann sagen, dass sich der Fußball taktisch komplett gewandelt hat.

"Der Bottroper Fußball steckt in einem Sumpf"

Auf’m Platz: Sie waren früher als Torwart aktiv. Lässt sich das Torwartspiel von früher mit dem heutigen vergleichen?

 

Fred Bockholt: Eigentlich kann man sagen, dass wir derzeit wieder einen Schritt zurück machen. Zu meiner aktiven Zeit war jeder Torwart auch im Feld einsetzbar. Als ich unter Erich Ribbeck gespielt habe, musste ich in der Vorbereitung auch im Feld vorspielen. Dann ging der Trend dahin, bei den Torleuten die Torwartfähigkeiten zu trainieren und das Spielerische außen vor zu lassen. Erst durch die Einführung der Rückpassregelung hat sich das Ganze wieder relativiert.

 

Auf’m Platz: Lassen Sie uns über den Bottroper Fußball sprechen. Verglichen mit früher sind die großen Zeiten vorbei. Vier Bezirksligisten sind alles, was wir in Bottrop zu bieten haben. Wo steht der Fußball in der Stadt?

 

Fred Bockholt: Es fällt schwer sich in dieser Angelegenheit zu äußern, ohne ins Negative zu fallen. Der Bottroper Fußball steckt in einem Sumpf, wo es schwer wird, sich aus diesem wieder zu befreien. Es gibt sicherlich Vereine mit guter Jugendarbeit, aber die Besten werden dann von den großen Vereinen aus den Nachbarstädten weggeholt und so kann sich in Bottrop nicht viel entwickeln.

 

Auf’m Platz: Sehen sie die Möglichkeit, eine Art Stadtauswahl zu etablieren, wo die Besten Jugendlichen zusammen auf dem Platz stehen?

 

Fred Bockholt: Die Möglichkeit wäre mit Sicherheit da, aber wohin dann mit den Jugendlichen? Auch hier würden wieder andere Vereine kommen und sich die Rosinen rauspicken. Außerdem kann ich aus meinen Erfahrungen berichten, dass die Jugendlichen zwar den Willen haben weit zu kommen, aber in den seltensten Fällen sind sie bereit dafür auch viel zu tun. Solange sich das nicht ändert wird es schwer. Die einzige Chance die ich sehe, wäre das Modell Hoffenheim. Wenn ein Investor in einen Verein Geld stecken würde. Wir wollen doch mal ehrlich sein. Wenn einem Jugendlichen die Chance geboten wird drei oder vier Ligen höher zu spielen, wird er sie nutzen. Es ist schwerer aufzusteigen als die Klasse hinterher zuhalten. Solange die Vereine nicht entsprechend hoch spielen, werden die Guten immer wieder weggekauft.

"Ich befinde mich im Zweikampf mit meinem Gegner"

Auf’m Platz: Sie selbst haben die Fußballschuhe an den Nagel gehangen und sich dem weißen Sport gewidmet. Mit den Herren 60 des TC Waldfriede sind Sie in der abgelaufenen Medenspielsaison Dritter geworden. Wie sind Sie zum Tennis gekommen?

 

Fred Bockholt: Nachdem ich im Alter von 38 Jahren die Fußballschuhe in die Ecke gestellt habe, habe ich mich zu fit gefühlt, um gar keinen Sport mehr zu machen und einfach nur joggen zu gehen war mir zu langweilig. Tennis bietet mir da wesentlich mehr und es gibt auch gewisse Parallelen zum Fußball. Ich muss mich voll auf meinen Gegner einstellen, Fehler werden selten verziehen und auch hier gibt es immer wieder einzelne Aktionen, die das Spiel in die eine oder die andere Richtung verändern können. Außerdem bringt man als Fußballer ein gewisses Spielverständnis und Ballgefühl sowie die nötige Kondition mit. Der große Unterschied ist, dass ich für mich alleine verantwortlich bin. Ich befinde mich hier im Zweikampf mit meinem Gegner. Aber ich habe alles selbst in der Hand. Es ist also ähnlich wie das Torhüterleben. Wenn ich im Tor einen Fehler gemacht habe, konnte den auch keiner meiner Mitspieler ausbügeln.

 

Auf’m Platz: Als Niederrheinligist sind Sie in einer der am höchstspielenden Bottroper Mannschaften.

Was macht die Mannschaft beim TC Waldfriede aus?

 

Fred Bockholt: Sportlich betrachtet sind wir eine sehr ausgeglichene Truppe. Das ist es auch, was uns so stark macht. Was ich persönlich als viel wichtiger empfinde ist, dass wir uns menschlich alle so gut verstehen. Natürlich wollen wir wenn wir auf den Platz gehen gewinnen und ärgern uns auch wenn wir verlieren. Aber dann trinken wir nach dem Spiel ein oder zwei Bier und dann ist das auch schnell wieder vergessen und wir haben Spaß.

"Solange ich fit bin, bleibe ich dabei"

Bockholt mit Doppelpartner Günter Vennemann Foto: Archiv
Bockholt mit Doppelpartner Günter Vennemann Foto: Archiv

Auf’m Platz: Wenn Sie jetzt den Fußball mit dem Tennis vergleichen. Gibt es auch außerhalb des Platzes Parallelen?

 

Fred Bockholt: Beim Fußball ist zu erkennen, dass es ab der Verbandsliga richtig ernst wird. Da wird Geld bezahlt und dann wird auch erwartet, dass die Jungs zum Training kommen. Wenn ich mir das hier auf Bezirksliganiveau anschaue, wo teilweise gerade mal sechs Mann beim Training sind, wie will man da vernünftig was einstudieren? Sechs Mann wissen Bescheid und die anderen fünf gucken Sonntags zu und haben keine Ahnung. Beim Tennis ist das ähnlich. Ab der Verbandsliga wird es schwer ohne Ausländer zu bestehen. Zumindest in den offenen Klassen. Und auch die spielen nur für Geld. Hier sind also gewisse Gemeinsamkeiten zu erkennen.

 

Auf’m Platz: Wollen wir abschließend die Stadtgrenzen noch einmal verlassen. Aktuell sind Sie für den Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen als Scout aktiv. Ein Beruf, der Sie durch ganz Deutschland fahren lässt. Ein Traumberuf?

 

Fred Bockholt: Ich bin dem Fußball immer verbunden geblieben. Ob als Trainer, Torwarttrainer oder jetzt eben als Scout.  Zum Einen trifft man so immer wieder bekannte Gesichter wieder und es hält jung. Es ist etwas vollkommen anderes, ob ich ein Spiel vor dem Fernseher beobachte oder im Stadion. Und solange ich fit bin, werde ich dabei bleiben. Ein Leben ohne Sport ist für mich nicht vorstellbar.

 

In den kommenden Tagen wird Bockholt wieder in Hamburg, Berlin oder woanders in der Republik zu sehen sein. Vielleicht trifft man ihn aber auch in einem Café, wo er gerne mit Schalkes Co-Trainer Seppo Eichkorn einen Kaffee trinkt. In Bottrop jedenfalls wird er spätestens ab Mitte September aktiv sein. Dann wird er mit Partner Günter Vennemann versuchen, seine Mannschaftskameraden Peter Schwabe und Manni Brackhagen vom Doppelthron bei den Stadtmeisterschaften zu stürzen.

 

Wir von Auf’m Platz bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin alles Gute.

 

Interview aus dem Sommer 2010.