Sa

18

Jun

2011

Training für den Kopf

Der TC Waldhof hat die Pfingstpause genutzt und sich auch außerhalb des Platzes auf die heiße Phase der Saison vorbereitet. Am vergangenen Mittwoch fand im Clubhaus am Quellenbusch ein Vortrag zum Thema Mentaltraining statt.

Mentaltrainer Martin Schweer Mentaltrainer Martin Schweer

Ein bekanntes Phänomen bei Tennisspielern: Gerade hat man einen 1:4 Rückstand aufgeholt, sich zum 4:4 herangekämpft, atmet einmal tief durch und liegt plötzlich mit 4:5 hinten und muss wieder gegen den Satzverlust ankämpfen. "Fokussieren sie sich auch nach dem vermeintlichen Erfolg den vorherigen Rückstand aufgeholt zu haben weiter auf das wesentliche", sagt Martin Schweer. Er ist Professor an der Universität Vechta und betreut seit einigen Jahren Profisportler - und anderem Tennisspieler auf der ATP-Tour. Sein Credo lautet: "Gewonnen und verloren wird meist zwischen den Ohren." Vor allem wenn zwei gleichstarke Gegner aufeinandertreffen würde die mentale Fitness über Sieg oder Niederlage entscheiden. Um diese zu stärken gibt er einige Tipps mit auf den Weg. "An den Stärken arbeiten, um diese noch besser einsetzen zu können", ist einer davon. Außerdem regt er an, solle man sich einen Fixpunkt suchen, zu dem man in kritischen Situationen geht, um sich noch einmal zu sammeln und auf den nächsten Ball konzentriert. So solle sich jeder Spieler seine Rituale suchen, die dann Sicherheit bieten. "Mit Ritualen ist aber kein Aberglaube gemeint", betont Schweer: "Es darf nicht so weit gehen, dass ein Spieler nicht gewinnen kann, nur weil sein blaues Shirt nicht greifbar ist."

 

Dabei würde bei Sportlern von Grund auf unterschieden. "Es gibt den Typ, der den Erfolg sucht, und eine Herausforderung annimmt", so Schweer. Dem gegenüber stünde der Misserfolgsvermeidende Typ. "Diese Menschen sehen im Misserfolg eine Bedrohung und wollen diese vermeiden. Selbst kleine Erfolge können deshalb kaum wahrgenommen werden", erklärt er.

 

Im Training sollten Drucksituationen geübt werden und auch der Teamgeist gestärkt werden. "Jeder reagiert anders auf Sprüche seine Mannschaftskollegen, damit sollte sehr sensibel umgegangen werden", fordert er. Und auch bei den Kleinsten sieht er ein Problem dabei, dass beim Spielstand von 2:2 gestartet wird. "Auch Kinder müssen mal die Erfahrung machen, 6:0/6:0 zu verlieren", spricht Schweer von einer psyscholgisch kurzsichtigen herangehensweise.

Der 47-jährige ist selbst eher zufällig in die Sportlerriege gerutscht. "Ich spiele selbst beim TK78 und bin durch Kontakte an die damaligen Bundesligamannschaft vom OTHC Oberhausen gekommen", erinnert sich Schweer. Dadurch sei der Kontakt zu Jens Knippschild entstanden, den er lange Zeit betreute. "Es sind dann immer mehr Sportler zu mir gekommen und so hat sich das ausgebreitet", weiß er zu berichten. Heute betreut er unter anderem Simon Greul und Bastian Knittel. "Ein intensives Training geht über mehrere Jahre, aber man kann auch kurzfristigen Erfolg erreichen", erklärt er seine Methoden. Gerade am Anfang seien schnell Erfolge zu verzeichnen. Dabei beobachtet er die Spieler im Training, betreut sie bei Turnieren und führt intensive Gespräche. "Die Gespräche sind das wichtigste um sie mental fit zu machen", berichtet Schweer. Dabei kämen einige Spieler zu ihm, die erheblich unter Druck stünden und allein das befassen mit dem Thema sei oft schon eine Hilfe. Er unterscheidet dabei aber rigoros zwischen einer mentalen Schwäche und einer Depression. "Die Spieler die zu mir kommen sind nicht krank", betont er. In Zeiten des web2.0 würden die Spieler sogar nicht zwangsläufig bei ihm vorbeikommen müssen, Skype sei eine moderne Methode um Gespräche zu führen.

 

Inwieweit die knapp 20 Teilnehmer beim TC Waldhof ihre mentale Stärke entdeckt haben und fördern können bleibt abzuwarten, wissenswerte Tipps haben sie allemal mit auf den Weg bekommen.

 

Text: Max Lazar

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