Fr
25
Jun
2010
Drei Tage bis zur Unsterblichkeit
Es sind diese Momente die den Sport so einzigartig machen. John Isner und Nicolas Mahut haben Tennisgeschichte geschrieben. Roger Federer ist mit seinen 16 Grand Slam Titeln der beste aller Zeiten. Pete Sampras hat mit seinen sieben Wimbledon Triumphen Tennisgeschichte geschrieben und mit William Renshaw gleichgezogen und Boris Becker entfachte mit seinem Sieg 1985 einen wahren Tennisboom in Deutschland. Aber was die beiden Protagonisten an den letzten drei Tagen geleistet haben ist außergewöhnlich. Auch wenn wir eigentlich über den Tennissport in Bottrop berichten. Dieses Spiel zog uns so in seinen Bann, dass wir es nicht unter den Tisch fallen lassen wollten.
Am Ende stand ein 4:6/6:3/7:6/6:7/70:68. In Worten: siebzig zu achtundsechzig!!! Unfassbar, was der zwei Meter Hüne Isner und die Nummer 148 der Weltrangliste Mahut auf dem jetzt legendären Court No. 18 zelebriert haben. Selbst die Queen gab sich die Ehre und begrüßte die beiden persönlich. Legende John McEnroe sagte nach dem Spiel: "Was diese beiden Spieler gezeigt haben, gehört zum Größten, was es in diesem Sport je gegeben hat. Das war pures Heldentum." Beim Stand von 59:59 wurde am Mittwoch zum zweiten Mal wegen Dunkelheit abgebrochen. Da standen die beiden Kontrahenten bereits zehn Stunden auf dem Platz. Gestern ging es dann weiter. Nach insgesamt elf Stunden und fünf Minuten fiel der Vorhang und mit ihm John Isner. Nach einem Rückhandpassierball sank er zu Boden - er hatte dieses Wahnsinnsmatch gewonnen. 112 Asse schlug Isner, 103 Mahut. Und sie stellten weitere Rekorde auf: Das längste Match aller Zeiten von Fabrice Santoro und Arnaud Clement aus dem Jahr 2004 mit über sechseinhalb Stunden Spielzeit stellten sie in den Schatten, die meisten Spiele in einem Match holten sie auch. 183 an der Zahl. Natürlich auch den längsten fünften Satz der je bei einem Grandslam Turnier gespielt wurde. Und nicht zu vergessen: die gemeinsame Anzahl von Assen: 215!!! Bisher hielten diesen Rekord Radek Stepanek und Ivo Karlovic mit gerade einmal 96 Assen.
So viel zu den Daten und Fakten. Dieses Match zeigt, was den weißen Sport so einzigartig macht. Zwei Männer, einer davon als No-Name ins Turnier gestartet spielen sich in den Vordergrund. Mit einer schier unmenschlichen Leistung. Dieses Match hat keinen Verlierer verdient gehabt. Und auch wenn Nicolas Mahut in der zweiten Runde die Segel streichen musste. Er ist genauso wie der Sieger John Isner ein Teil Sportgeschichte. Dieser Rekord ist ein Rekord für die Ewigkeit. Wir als Breitensportler können uns nicht vorstellen elf Stunden auf dem Court zu stehen und die gelbe Fizkugel über das Netz zu jagen.
Wir diskutieren hier zu Lande ob wir einen Match-Tiebreak als dritten Satz gut finden oder nicht, die Profis dagegen, die nicht wie wir nach einem Medenspiel eine Woche zum regenerieren haben, kämpfen unerbitterlich weiter...immer weiter.
Das ist ein Grund warum wir diesen Sport treiben. Wir wollen an unsere Grenzen und darüber hinaus gehen. John Isner und Nicolas Mahut sind weit darüber hinaus gegangen. An den Wimbledonsieger von 2010 wird man sich in ein paar Jahren vielleicht nicht erinnern, John Isner und Nicolas Mahut werden für immer einen Platz in den Geschichtsbüchern haben. Zwei Männer, die auszogen um gigantisches zu leisten. Ich ziehe den Hut vor dieser Leistung. Im Sinne des Veranstalters, der den Zeitplan durchbringen muss und vielleicht auch in Anbetracht der kommenden Aufgaben für John Isner wäre es sinnvoll den Tiebreak im fünften Satz zu spielen. Wenn ich mich in die Situation von John Isner versetze und mich jemand vor die Wahl stellen würde, den denkwürdigen Moment zu bekommen und in alle Geschichtsbücher einzugehen oder in Wimbledon noch eine oder zwei Runden weiter zu kommen - ich würde die erste Variante nehmen. An diesen drei Tagen im Juni sind zwei Legenden geboren Worden. Danke John Isner, danke Nicolas Mahut für diesen großen Moment der Sporgeschichte. ml
Kommentare: 1
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#1
Die beiden werden wahrscheinlich niemals ein Grand Slam Turnier gewinnen, aber mit diesen Spiel haben sie ihren Platz in den Geschichtsbüchern des Tennissport sicher. Beide Spieler sind bis an ihre Grenzen gegangen und teilweise darüber hinaus. So ein Spiel wird es in den nächsten 100 Jahren nicht wieder geben.










