Mo
21
Jun
2010
Dämpfer nach hartem Kampf
Christian Schmitke war am Wochenende wieder im Einsatz. Sowohl mit der ersten Herren vom TC Waldhof beim Auswärtsspiel in Dinslaken, als auch für uns von Auf'm Platz. Heute berichtet er in "Game, Set & Schmiddi" von einem außergewöhnlichem und auch kuriosem Medenspiel, mit hauchdünnem Ausgang.
Pokern um die Aufstellung
Drei Spiele, drei Siege! Die Ausbeute nach der ersten Saisonhälfte ist phänomenal und das Gefühl erneut die Tabellenführung inne zu haben großartig. Trotzdem bleibt diese Woche das bestimmende Thema erneut unsere Personalsituation. Mittlerweile haben wir drei Baustellen für das Spiel gegen Rot Weiss Dinslaken: Unsere Langzeitverletzen Julian und Müllero, das Fehlen von Niels und Serinho am kommenden Wochenende und unsere zweite Mannschaft, die noch um die Relegation zur Verbandsliga kämpft und somit auch auf keinen Spieler verzichten kann. Das letzte Problem wird allerdings erst in den nachfolgenden Partien relevant, da sich gegen Dinslaken noch keiner festspielen kann. Am Freitagabend steht dann auch endlich die Aufstellung: Julian puffert erneut an eins, Mos zwei, Rudi drei, ich an vier, Tim an fünf und Jonas an sechs.
Ein Hoffnungsschimmer am Horizont
Auf dem Weg zum Spiel nach Dinslaken ist die Stimmung im Team zum ersten Mal in dieser Saison eigenartig. Statt Euphorie herrscht eher Skepsis und die Hoffung nicht zu hoch zu verlieren. Kein
hoher Anspruch als Tabellenführer! Meine persönlichen Erwartungen sind auch sehr gedämpft. Vor drei Tagen hab ich zum ersten Mal seit letztem Jahr wieder eine derbe Heuschnupfenattacke bekommen,
die leider noch anhält. Es gibt sicherlich einige die nachvollziehen können, was es heißt sich wie bei einer Grippe zu fühlen und nicht einmal nachts zur Ruhe zu kommen.
Die Ausgangssituation ist also alles andere als gut und die Erwartungen an die Partie sehr niedrig. Aber wie wir alle wissen kommt es meistens doch anders als man denkt, und das sollte auch auf
diesen Spieltag zutreffen.
Bei der Ankunft in Dinslaken werden wir erstmal dadurch aufgemuntert, dass auch unsere Gegner nicht in voller Besetzung antreten und nur einer der beiden Holländer vor Ort ist. Zwar ist noch die
Nummer 9 von Holland vertreten, doch der Punkt war sowieso nicht eingeplant. Nach kurzem Einspielen bei recht starkem Wind und dunklem Himmel kann die erste Runde starten. Neben Mos und
Jonas gehe also auch ich auf den Platz. Mein Befinden ist leider auch noch nicht besser und richtig konzentriert bin ich auch nicht. Um mein Glück zu vervollständigen sehe ich auch noch, dass
mein Gegner mit seiner linken Hand den Linienbesen bedient. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich es hasse gegen Linkshänder zu spielen?! Passend dazu beginnt auch das Spiel. Schon wie in
der Vorwoche liege ich schon nach einigen Minuten 0:3 hinten. Dabei gewinne ich den ersten Ballwechsel erst im dritten Spiel! Es ist ganz kurios, ich bekomme einfach keine Länge in die Bälle und
bewege mich äußerst schlecht. Mein Gegner hingegen schafft es jeden Ball zu umlaufen und mich auf meine Rückhand festzunageln. So langsam komme ich allerdings besser mit der Situation klar und
das Spiel wird enger. Leider reicht es nicht mehr um den ersten Satz umzubiegen und ich hoffe auf den zweiten Satz. Auf meiner Bank sitzt ein mittlerweile recht frustrierter Julian, dessen
Ratschläge ich bislang einfach nicht umsetzen kann. An dieser Stelle sei noch bemerkt, dass selbst Julian sich heute zu keiner Spielprognose durchringen konnte. Der zweite Satz beginnt leider
genauso wie der erste. Trotz aller Bemühungen steht es erneut 0:3. Mittlerweile schaffe ich es allerdings besser über seine Rückhand zu spielen, was der deutlich schwächere Schlag ist.
Dummerweise geht mir bei längeren Ballwechseln recht schnell die Puste aus, wodurch mir weitere strategische Möglichkeiten abhanden kommen. Nach 3:3 und Spielbällen bei 5:5 verliere ich auch den
zweiten Satz 5:7 und besiegele meine erste Saisonniederlage!
"Mos" mit Nerven aus Stahl
Eigentlich sollte mich das heute nicht stören, doch die Nachrichten von den anderen Plätzen lassen schon ahnen, dass dies eine überaus bittere Niederlage war.
Bereits während meines Spiels habe ich mitbekommen, dass Mos den ersten Satz mit 5:7 verloren hat und noch nicht richtig ins Spiel gefunden hat. Er hadert oft mit dem Platz und richtige Freude am
Spiel ist auch noch nicht zu erkennen. Man muss allerdings sagen, dass sein Gegner sich bereits vor dem Match für die schlechten Platzverhältnisse entschuldigt hat und ich auch ganz schnell sehe
warum. Für den Zuschauer ist es zwar lustig, wenn Spieler auf dem Center Court am Ball vorbeischlagen, doch Mos kann darüber gar nicht lachen. Durch solides Spiel gewinnt er dann aber doch den
zweiten Satz mit 6:4. Wirklich aufregend wird das Match aber erst im Match-Tiebreak. Mos verpasst den Start und liegt schnell 0:5 hinten. Es geht jetzt viel zu schnell und irgendwas muss sich
dringend ändern. Und es ändert sich wirklich was. Nicht im Spiel, aber beim Wetter. Es beginnt plötzlich so stark zu regnen, dass alle vom Platz unters Terrassendach stürmen. In der Zwangspause
sagt Mos mir, dass es heute überhaupt keinen Spaß machen würde und der Platz wie angekündigt eine Lochwiese ist. Glücklicherweise brauche ich mir über motivierende Worte keine Gedanken mehr
machen, da der Regen so schnell wieder aufhört wie er angefangen hat. Scheinbar bringt die kurze Regenpause Mos auch nicht nach vorne und es steht nach zwei weiteren Fehlern 0:7. So langsam merkt
man auch, dass Mos der Glaube an den Sieg abhanden kommt. Trotzdem kommt er zu seinen ersten zwei Punkten und verkürzt auf 2:7. Nach weiteren Fehlern steht es 2:9. Beim Stand von 4:9 spielt Mos
aus der Bedrängnis den Stop des Tages. Aus der Rückhandecke hinter der Grundlinie gibt er dem Ball so viel Schnitt mit, dass dieser cross einen Zentimeter hinter dem Netz aufkommt und liegen
bleibt. Sein Gegner hingegen riskiert gar nichts mehr und wartet nur auf einen Fehler von Mos. Die Taktik geht nicht auf und Mos spielt agressiv und fehlerlos weiter. Bislang war ich nicht im
Ansatz nervös, da ich überhaupt nicht mehr mit Mos gerechnet habe. Beim Spielstand von 7:9 sieht das aber anders auch. Nach dem Ausgleich ist Mos Gegner so beeindruckt, dass er auch die nächsten
beiden Punkte vergibt und Mos nach sieben abgewehrten Matchbällen das Unglaubliche wahr macht. Er gewinnt mit 11:9!
Entspannter dagegen läuft der zweite Satz von Jonas, der gegen den jüngsten Spieler der Gegner spielt. Die anfängliche Nervosität bei seinem ersten Einzeleinsatz in der 1. Verbandsliga verfliegt
schnell und er hat seinen Gegner überwiegend im Griff. Er spielt wie gewohnt sicher und kämpft um jeden Ball. Die einzige enge Situation im Spiel entsteht bei Satzball gegen ihn im ersten. Nach
gelungener Abwehr geht der Satz mit 7:5 an ihn. Er dominiert auch den zweiten Satz und schließt diesen mit 6:2 ab. Da auch Dinslaken ein Spiel abschenkt und Rudi kampflos gewinnt steht es nun
insgesamt 3:2. Alles hängt also an Tims Spiel! Gewinnt er, so gewinnen wir auch insgesamt, da schon feststeht, dass unsere Gegner auch ein Doppel abschenken werden.
Dinslaken hat den Trumpf in der Hand
Und auch das letzte Einzel sollte dramatisch werden. Wir stehen alle am Rand des Platzes und sehen einen Tim, der sein bislang bestes Medenspiel macht. Er spielt hochkonzentriert mit grandioser Länge, so dass sein spielstarker Gegner große Probleme hat. Mit aggressiven, aber sicheren Schlägen gewinnt er den ersten Satz mit 7:5. Der zweite Satz ist ähnlich eng. Nach 3:1 Führung kassiert Tim das Rebreak und die beiden Kontrahenten gewinnen weiterhin abwechselnd ihre Spiele. Es geht also in den Tiebreak. Die Spannung am Rand ist unerträglich, vor allem, weil hinter mir die ganze Zeit unsere Doppelaufstellung diskutiert wird. Nach 4:5 Rückstand im Tiebreak holt Tim sich die nächsten zwei Punkte und somit den ersten Matchball. Sein Gegner serviert und ein längerer Ballwechsel entsteht, den Tim versucht mit einem Vorhand longline abzuschließen. Dieser verpasst die Seitenlinie allerdings um knappe fünf Zentimeter. Auch die nächsten Punkte gehen an seinen Gegner und somit heißt es Match-Tiebreak. Auch wenn das Spiel hochklassig bleibt kommt Tim nicht mehr zum Zuge und verliert mit 6:10. Unerwartet steht es 3:3 nach den Einzeln. Und es beginnt die große Diskussionsrunde um die Doppelaufstellung. Die einzige Frage lautet, ob die gegnerische Nummer eins ins erste oder zweite Doppel gestellt wird. Da wir ein Doppel geschenkt bekommen läuft es auf eine 50:50 Chance hinaus das Spiel zu gewinnen. Es ist das erste Mal in dieser Saison, dass uns das Glück verlässt. Wir spekulieren falsch, schenken das erste Doppel ab und bekommen das dritte geschenkt. Im zweiten steht allerdings mit Dinslakens Nummer eins ein schwer zu überwindendes Hindernis, gegen das Rudi und ich antreten dürfen. Meine schlechte Verfassung und Rudis Unsicherheit nach dem ausgefallenen Einzel tragen dazu bei, dass wir nie wirklich eine Chance haben. Und so verlieren wir recht unspektakulär mit 4:6, 1:6. Es ist übrigens das erste Mal in meiner Medenspielzeit, dass insgesamt vier Spiele nicht gespielt und nur ein Doppel auf dem Platz ausgetragen wurde.
Das Pech am Schläger
Hätte mir vor dem Spiel einer gesagt, dass wir 4:5 verlieren, so hätte ich dies mit Sicherheit unterschrieben. Doch nach dem Spielverlauf ist das einfach nur bitter und alle sind sichtlich deprimiert. Im Nachhinein betrachtet kommt der Spielverlauf der Begegnung Deutschland – Serbien am Freitag sehr nahe. Wir haben die Chancen, spielen engagiert und verlieren trotzdem. Nur mit dem Unterschied, dass wir nicht die Favoriten waren.
In der nächsten Woche greifen wir dann wieder auf heimischer Anlage zum Schläger.
Bis dahin,
Euer Schmiddi.










