Sa

05

Jun

2010

Ausflug nach Lintorf

Mit seinen ersten Herren vom TC Waldhof standen für Christian Schmitke sowohl am letzten als auch an diesem Wochenende keine Spiele an. Unter der Woche hat der Vize-Bezirksmeister aber bei den Verbandsmeisterschaften beim Lintorfer TC aufgeschlagen. In seiner Kolumne "Game, Set & Schmiddi" berichtet Christian heute über seine Erlebnisse und Erfahrungen die er mitnehmen darf und blickt ein wenig vorraus auf die kommenden Aufgaben in der 1. Verbandsliga.

Drei Bottroper mit dabei

Wie vor zwei Wochen prophezeit sind wir seit letztem Spieltag kein Tabellenführer mehr! Glücklicherweise liegt es nur daran, dass wir spielfrei hatten und somit keinen Einfluss auf die Tabellensituation. Auch dieses Wochenende ist in der Verbandsliga wieder kein Spiel angesetzt, da die Endspiele der Verbandsmeisterschaften anstehen.
Wie schon die letzten Jahre habe ich auch dieses Jahr wieder das Glück selbst an dem Wettbewerb teilnehmen zu können. Außer mir sind im Herrenbereich noch Mos und Barni dabei. Leider werden die verschiedenen Altersklassen auf unterschiedlichen Anlagen ausgetragen, so dass wir von Barnis Spiel nichts mitbekommen.

Endlich mal 'ne Aufgabe

Christian Schmitke Foto: Privat Christian Schmitke Foto: Privat

Die Vorfreude auf die Verbandsmeisterschaften ist bei mir in diesem Jahr besonders groß. Ich bin hoch motiviert und freue mich darauf nach zwei relativ lockeren Medenspielen, endlich mal richtig gefordert zu werden. Mein einziges anspruchsvolles Match war diese Saison gegen Mos bei den Bezirksmeisterschaften, das ich ja bekanntlich verloren habe. Aber es ist einfach immer was anderes gegen einen Mannschaftskollegen zu spielen, als gegen jemand Unbekanntes. So ist das Ziel dieses Jahr mindestens die erste Runde zu überstehen und mich mit guten Gegnern auf das nächste Medenspiel gegen Kaiserswerth vorzubereiten. Bei dem hochklassig besetzten Feld gehe ich einfach mal davon aus, dass auch meine Bottroper Mitstreiter ähnliche Ziele verfolgen. Mit Spannung wird somit die Auslosung erwartet, die für uns alle eigentlich ganz passabel ausfällt. Natürlich werden als Erstes die Gegner mit Hilfe der neuen LK-Datenbank ausspioniert. Mos und ich dürfen beide in der ersten Runde gegen jüngere Spieler antreten, wobei ich vermutlich die leichtere Aufgabe habe. Die Abfrage meiner persönlichen Datenbank, sprich Wiebke, ergibt, dass Mos es mit der deutschen Nummer eins in der Altersklasse U15 zu tun hat. Mein Gegner ist ein Jahr älter und eher unbekannt.

Bin ich schon so alt?

Die erste Runde wird am Montag gespielt und wir haben das Glück alle um 18:00 Uhr antreten zu dürfen. Die Verbandsmeisterschaften werden dieses Jahr in Lintorf ausgetragen und ich bin ein wenig enttäuscht, dass ich auf Platz 12 geschickt werde. Aber wahrscheinlich ist es auch besser am Ende der Anlage zu spielen und nichts von den anderen mitzubekommen. Den ersten Schock an diesem Tag erleide ich als ich meinen äußerst netten Gegner begrüße, der mich als erstes fragt, ob er mich duzen darf! Ist das der Moment, an dem man im Tennis alt wird? Ich hoffe zwar nicht, aber die Anzeichen sind wahrscheinlich nicht zu übersehen. Jedenfalls haben meine mitgereisten Zuschauer (Wiebke, Lisa und Chantal) sichtlich Spaß an dieser Äußerung. Ich sollte sie nicht das letzte Mal hören.

Erst der Sieg, dann die Bratwurst

Durch die LK6 Einstufung meines Gegners habe ich mir eigentlich gar keine Sorge gemacht, doch beim Einspielen fange ich an nervöser zu werden. Er spielt schon jetzt mit ungeheurem Spin und echt guter Technik. Aber wie so oft bei jüngeren Spielern ändert sich dieser Zustand schnell wieder beim ersten ernsten Punkt. Wie schon zuletzt in den Medenspielen hat er äußerste Probleme mit meinem Spiel und  kann nur reagieren. Trotz langer Ballwechsel steht es bereits nach 20 Minuten 5:0 für mich. Beim Seitenwechsel sagt er nur frustriert: „Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt, dass geht mir hier alles viel zu schnell“. Auch wenn sich der Zustand im Spiel nicht ändert, habe ich unglaublich Spaß. Die Ballwechsel sind lang, die Fehlerquote gering und der Gegner nett. Was will man mehr? Am Ende heißt es 6:0 6:1. Durch mein schnelles Match sehe ich zum Glück auch noch was von Mos Spiel, der gerade am Ende des zweiten Satzes angekommen ist. Es steht 6:2 5:5. Sein Gegner, der leider bereits etwas zu arrogant für sein Alter ist, spielt allerdings besser als erwartet. Im gesamten Match sind beide auf Augenhöhe und liefern sich klasse Ballwechsel. Bei 3:6 im Tiebreak des zweiten Satzes kommt Mos noch bis auf 6:6 heran und hat dann die Chance durch einen schlechten Volley seines Gegenübers einen Matchball zu holen. Er probiert ihn durch die Mitte zu passieren und landet mit seinem Ball 5 cm hinter der Grundlinie. Damit heißt es Satzball gegen Mos. Mit einem Rückhand Slice ins Netz geht der Satz dann auch verloren. Zum ersten Mal in dieser Saison kommt er in die Situation einen dritten Satz ausspielen zu müssen. Er signalisiert bereits beim ersten Seitenwechsel, dass er müde Beine hat. Und an dieser Stelle verpasse ich es leider meinen Mannschaftskollegen ausreichend zu motivieren. Wir stehen nämlich bereits mit Bratwurst und Brötchen neben dem Platz und gucken uns das Match ganz entspannt an. Hätte ich ihm eine Wurst für deinen Sieg in Aussicht gestellt, dann wäre der Spielverlauf wohl anders verlaufen. Nach hart umkämpften dritten Satz muss er sich letztendlich mit 4:6 geschlagen geben. Sehr Schade! Aber auch Respekt an einen 15jährigen, der taktisch schon sehr gut gespielt und nicht unverdient gewonnen hat. Sorry Mos, dass ich das Alter erwähnt habe, aber du weißt ja was es mit der Pressefreiheit auf sich hat. Auf dem Rückweg hören wir auch noch von Barni, dass sein Spiel zwar sehr gut, aber leider auch nicht erfolgreich war. Interessanterweise hat er gegen jemanden von Kaiserswerth gespielt, der am nächsten Spieltag gegen uns antreten darf. Das Ergebnis 4:6, 2:6 war dementsprechend alles andere als schlecht.

Auf geht's in Runde zwei

Foto: Privat Foto: Privat

Als einziger in der zweiten Runde darf ich wieder am Mittwoch antreten. Erneut gegen einen Youngster vom Gladbacher HTC. Er ist 18, an 6 gesetzt und spielt bereits Niederrheinliga. Ich bin also nicht der Favorit. Was schon bei Mos Gegner aufgefallen ist bestätigt sich hier leider erneut. Viele der jungen Spieler sind sehr überheblich, unkommunikativ und distanziert. Oder ist eine ordentliche Begrüßung und ein Auf Wiedersehen bereits zuviel verlangt? Der Beginn des Spiels verläuft sehr unglücklich. Ich beginne das Match als Aufschläger und versuche von Beginn an offensiv zu spielen, was allerdings zu drei Fehlern führt. Bereits an dieser Stelle wird mir klar, dass mein Gegner mich nicht vom Platz schießen wird, sondern unglaublich konstant und präzise spielt und auch keine langen Ballwechsel scheut. Deprimierend ist vor allen Dingen, dass er keine leichten Fehler macht und selbst beim Aufschlag wenig freie Punkte entstehen. Nachdem ich die nächsten drei Punkte im ersten Spiel mache reißt mir beim Aufschlag die Seite und es folgt ein Doppelfehler mit dem zweiten Aufschlag. Den Ballwechsel danach beende ich mit einem Netzfehler, verschuldet durch den Wechsel auf eine härtere Seite. Nach seinem ersten Aufschlagspiel wird mir bewusst, dass ich in den offenen Ballwechseln nicht unterlegen bin. Allerdings ist seine Konstanz beim Aufschlag, Return und Spielaufbau beeindruckend. Meine Aufschlagspiele sind somit auch im weiteren Verlauf hart umkämpf. Den Spielball zum 1:2 hole ich mir übrigens mit einem Rückhand Passierball, den ich als Antwort auf seinen Lob über mich spiele. Bis zum 3:5 bringt nun jeder seinen Aufschlag durch. und das Match ist geprägt von langen und spannenden Ballwechseln. Ich bin äußerst zufrieden und es macht einfach super viel Spaß. Leider kann ich die Konstanz meines Gegners nicht mitgehen und verliere so nach ein paar zu ungeduldigen Fehlschlägen den Satz mit 6:3. Auch im zweiten Satz verhält es sich ähnlich und ich verliere mit 1:6. Auch wenn das Ergebnis etwas zu hoch ausgefallen ist war er letztendlich der bessere Spieler.

Optimistisch in die Zukunft

Somit werden die Verbandsmeisterschaften wie jedes Jahr beendet: mit dem Aus in der zweiten Runde! Trotzdem war es für mich das beste Training seit langem und ich glaube, dass meine Zuschauer auch nicht gelangweilt wurden. Schade, dass man nicht häufiger solche Matches hat. Für die nächste Woche bin ich also bestens gerüstet und hoffe am Sonntag mal wieder von einem Sieg berichten zu können. Das macht nämlich noch mehr Spaß.     

 

Bis dahin und gut Schlag,

 

Euer Schmiddi.

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